Auf Lehm gebaut

Handwerker stellt mit Hilfe des KCA Langzeitarbeitslosen ein

Lehm ist der älteste Baustoff der Menschheit – bereits vor 9000 Jahren errichteten unsere Vorfahren daraus ihre Behausungen und noch heute wohnt ein Drittel der Weltbevölkerung in Lehmhäusern. Mit dem Siegeszug von Beton und Fertighauselementen ist Lehm hierzulande in Vergessenheit geraten. Aber mit der ökologischen Wende im Bausektor besinnen sich viele wieder zurück. Tobias Goy aus Nidderau erkannte diesen Trend und gründete 2009 seinen Lehmbaufachbetrieb „Wand und Form“. „Lehm ist dank seiner organischen Struktur nicht nur nachhaltig und umweltfreundlich, er speichert auch Wärme, ist atmungsaktiv, reguliert so den Feuchtigkeitsgehalt von Wohnräumen und ist zudem leicht in Stand zu setzen“, bringt Goy die Vorzüge seines Arbeitsmaterials auf den Punkt. Er restauriert nicht nur alte Fachwerkhäuser, Lehmdekorputze im Innenbereich bilden sein zweites Standbein. Die Auftragslage wurde mit jedem Jahr besser und irgendwann konnte der ehemalige Werkzeugmachermeister nicht mehr alles alleine schaffen. Aber er scheute sich noch davor, einen Mitarbeiter einzustellen: „Der Betrieb muss ja auch auf Dauer genug abwerfen, damit ich eine zweite Person finanzieren kann“, so Goy. Wenn er jemanden beschäftige, trage er auch Verantwortung für denjenigen, erklärt der großgewachsene Handwerker. Da sich im Lehmbau erst langsam feste Ausbildungswege herauskristallisieren, musste Goy seinen neuen Mitarbeiter auch erst anlernen. Um dieses Investitionsrisiko zu reduzieren und ihn gleichzeitig zu motivieren, einem Langzeitarbeitslosen eine Chance zu geben, sprang ihm Christian Uebach, Arbeitsvermittler beim Kommunalen Center für Arbeit, dem Jobcenter des Main-Kinzig-Kreises, zur Seite. Uebach ermöglichte Goy, mit einer monatlichen Eingliederungszahlung Dieter Höfer einzustellen. Höfer bezog seit 2012 Arbeitslosengeld II. Der 51jährige hatte zuvor erfolglos versucht als Hausmeisterhelfer auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen und war nach einer Handverletzung lange außer Gefecht. Als gelerntem Maler und Lackierer kam ihm das Tätigkeitsfeld von „Wand und Form“ entgegen – das Material Lehm war allerdings völlig neu für ihn. Nach einer Probezeit war beiden Männern klar, dass Sie gut zusammenpassen und vor allem zusammenarbeiten. Inzwischen hat Höfer eine sozialversicherungspflichtige Vollzeitstelle. Das gefällt auch Arbeitsvermittler Uebach: „Wir haben Herrn Höfer zweieinhalb Jahren durch alle Höhen und Tiefen begleitet – jetzt hat er den perfekten Job gefunden.“„In diesem Fall gibt es nur Gewinner“, freut sich Michael Krumbe, Vorstand des Jobcenters im KCA, „Wir haben Herrn Höfer aus der Langzeitarbeitslosigkeit geholfen und unterstützen damit einen mittelständischen Handwerksbetrieb“, so Krumbe, den auch die Aussicht freut, „dass in Zukunft noch mehr der prächtigen Fachwerkhäuser in unserer Region in neuem Glanz erstrahlen.“

2018-03-20T09:10:55+00:0003. 02. 2015|