Ausbildung und Armdrücken

Syrischer Flüchtling verwirklicht Traum als KFZ-Mechatroniker

„Wer mit Energie rangeht, der packt es auch“ so beantwortet Ulrich Liebsch, Inhaber des Autohauses Geiger & Liebsch, die Frage, worauf es ankommt, um die Ausbildung zum KFZ-Mechatroniker erfolgreich zu absolvieren. Energie besitzt Wail Alkaraf im Übermaß, hinzukommen Ehrgeiz, Fleiß und Zuverlässigkeit – Tugenden die seine noch bestehenden Sprachdefizite aufwiegen. Der junge Syrer kam 2015 alleine als Flüchtling nach Gelnhausen und arbeitet seitdem hart daran, hier eine neue Heimat zu finden. In Gabriele Oergel fand er seine erste Fürsprecherin.

Die ehemalige Dolmetscherin engagiert sich in der Barbarossa-Stadt ehrenamtlich für Flüchtlinge und unterrichtet zwei Mal wöchentlich in der städtischen Flüchtlingsunterkunft an den ehemaligen Kasernen je sechs Stunden Deutsch. Unter ihren Schülerinnen und Schülern stach der 22jährige heraus. Nicht nur wollte er so schnell wie möglich die schwierige deutsche Sprache erlernen, auch hatte er eine glasklare Vorstellung davon, wo er seine berufliche Zukunft sah: In einer KFZ-Werkstatt. Über verschiedene Zwischenstationen knüpfte Oergel schließlich einen Kontakt zum Autohaus Geiger & Liebsch in Linsengericht Altenhaßlau. Alkaraf, der derzeit von Arbeitslosengeld II lebt, gelang es Ulrich Liebsch und dessen Service-Leiter Steffen Hertel mit seiner Aufgeschlossenheit und Beharrlichkeit zu überzeugen. Parallel schaltete sich Erika Kollmann vom Jobcenter des Kommunalen Centers für Arbeit (KCA) ein. In enger Abstimmung mit dem Arbeitgeber organisierte sie zunächst eine mehrwöchige Trainingsmaßnahme im Betrieb. In dieser Zeit erarbeitet sich der Syrer den Respekt seiner Kollegen. „In der Werkstatt gibt es eine sehr direkte Feedback-Kultur“ schmunzelt Steffen Hertel. „Hier erhält allem voran Anerkennung, wer anpackt, mitdenkt und lernbereit ist.“ Mit Beginn des neuen Ausbildungsjahres darf Wail Alkaraf dann auch die langersehnte Ausbildung zum KFZ-Mechatroniker anfangen. Bis dahin arbeitet er zur Überbrückung nachmittags auf Mini-Job-Basis bei Geiger & Liebsch und absolviert vormittags einen Intensiv-Sprach-Kurs.

Auf dem weiteren Weg zum Traumberuf ebnet ihm KCA-Frau Kollmann noch eine weitere wichtige Hürde: Das Jobcenter finanziert ihm den PKW-Führerschein mittels eines Bildungsgutscheins. Dieser vereinfacht die Arbeit mit den Kundenfahrzeugen wesentlich. Gleichzeitig unterstützen ihn auch seine Kollegen nach Kräften, sei es bei Behördengängen oder auch dabei eine eigene kleine Wohnung zu suchen, damit er aus der Gemeinschaftsunterkunft ausziehen kann. „Das ist Grundvoraussetzung für  eine erfolgreiche soziale und sprachliche Integration“, meint Hertel. Bei Geiger & Liebsch ist diese Integration schon vorangeschritten: So ließ sich Wail Aklaraf etwa bei der Weihnachtsfeier nicht zweimal bitten, beim traditionellen Armdrücken anzutreten. Trotz seines kräftigen Bizepses langte es diesmal noch nicht für einen Podiumsplatz, es fehlte ihm noch an Technik. Aber seine Ziele für 2017 sind klar definiert: Erfolgreicher Start in die Ausbildung und Sieg beim Armdrücken.

„Gerade dieser Fall zeigt, wie wertvoll für uns die ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer als Mittler und Türöffner sind“, lobt Michael Krumbe, Vorstand des KCA-Jobcenters. Deren anhaltendes Engagement sei eine häufig unverzichtbare Unterstützung. „Mein Dank gilt aber selbstverständlich auch ausdrücklich Geiger & Liebsch. Ich hoffe andere Arbeitgeber lassen sich von diesem guten Beispiel anstecken.“ Unternehmen, die ebenfalls daran interessiert sind, Flüchtlingen einen Ausbildungsplatz oder eine andere sozialversicherungspflichtige Beschäftigung zu ermöglichen, können sich jederzeit gerne an Erika Kollmann wenden (erika.kollmann@kca-mkk.de | 06051-9741-41910 | 0171-9791897).

2018-03-19T16:11:50+00:0025. 01. 2017|