Jobchance in der Schädlingsbekämpfung

Frankfurter Unternehmen bietet Langzeitarbeitsloser aus Hanau eine neue Perspektive

Wenn Verstorbene erst nach Tagen oder Wochen in ihren Wohnungen gefunden werden; wenn in der Großbäckerei Ratten und Schaben fröhlich Urständ feiern – dann schlägt die Stunde des Schädlingsbekämpfers. Aber es geht längst nicht immer so dramatisch zu. „Heute steht die Prävention stärker im Fokus“ berichtet Gunther Weiß, Inhaber von WEISS Hygiene-Service. Die Anforderungen sind breit: Morphologische und entomologische Expertise – also das Wissen über Insekten und ihre Entwicklung – zählt ebenso dazu wie naturwissenschaftliche Kenntnisse, etwa um Gefahrstoffe korrekt dosieren zu können. Der Frankfurter Fachbetrieb blickt auf eine hundertjährige Tradition zurück. Die Geschäfte laufen gut, erst vor kurzem bezog das Unternehmen neue Räumlichkeiten in Bergen-Enkheim. Ein Grund für das stetige Wachstum: Lebensmittelproduzenten, Gastronomen aber auch private und gewerbliche Immobilienbesitzer sind zunehmend bereit, in Maßnahmen zu investieren, bevor ein Schädlingsbefall überhaupt entsteht. Ferner profitiert die Branche von der Globalisierung, denn immer neue Schadinsekten aus aller Herren Länder reisen als blinde Passagiere bei uns ein. Da brauchen selbst die Profis von Weiss Hygiene manchmal Unterstützung einer Biologin, um unbekannte Arten zu bestimmen. Insgesamt also ein spannendes und abwechslungsreiches Arbeitsumfeld. Das findet auch Elli Sini. Die 58jährige Hanauerin hält im Büro alle Fäden zusammen. Sie nimmt Aufträge an, koordiniert die Einsätze ihrer Kollegen oder bestellt Verbrauchsgüter nach. Bis zu ihrem persönlichen Traumjob war es für die Mutter einer erwachsenen Tochter aber ein langer Weg. Zwei Jahre zermürbende Jobsuche; hunderte erfolglose Bewerbungen. Dabei blickt Sini auf einen hervorragenden Lebenslauf zurück. Jahrzehntelange hat die gelernte Rechtsanwaltsgehilfin für verschiedene renommierte Unternehmen in der Administration gearbeitet und dabei zunehmend Verantwortung getragen.

„Leider kein Einzelschicksal“ stellt Winfried Langer fest. Er ist Arbeitsvermittler beim Jobcenter des Kommunalen Centers für Arbeit (KCA) und hat Elli Sini betreut. „Arbeitssuchende über 50 haben es extrem schwer bei der Jobsuche. Oft wird ihre Bewerbung schon bei der ersten Durchsicht aussortiert“, ergänzt Michael Krumbe, Vorstand des KCA-Jobcenters: „Dabei sind das häufig fantastische Arbeitnehmer, die jedes Unternehmen bereichern.“ Grund genug für sein Jobcenter sich besonders intensiv um ältere Arbeitslose zu kümmern.

Auch Unternehmer Weiss räumt ein, dass er Frau Sini aufgrund ihres Alters wohl keine Chance gegeben hätte, wenn KCA-Mann Langer nicht so vehement für sie geworben hätte. Nach dem ersten Kennenlernen war schnell klar, dass man gut zusammenpasst: „Elli ist verantwortungsbewusst, flexibel und leistungsbereit. Sie denkt mit und profitiert auch von ihrer langen Berufserfahrung.“ Bei so viel Lob vom Chef kann sich die kaufmännische Angestellte ein Tränchen der Rührung nicht verkneifen. Jegliche Bedenken, sie könne Berührungsängste mit der Branche ihres neuen Arbeitgebers haben, zerstreut sie leicht. Im Gegenteil sie würde gerne mal selbst bei einer Tatort-Reinigung dabei sein. Kein Problem. Ihr Chef verspricht ihr, dass sie beim nächsten Fall mit rausfahren darf.

2018-03-20T08:53:44+00:00 09. 06. 2015|