Syrerin findet ihre Berufung in der Altenpflege

Simmler freut sich über gelungene Integration

Massiv erstreckt sich im sogenannten „Wohnzimmer“ des Pflegeheimes Bellings die meterlange Schrankwand aus dunkler Eiche. Davor schwere Sitzmöbel, die Kissen senfgelb bezogen. Was auf den ersten Blick wie eine Wohnlandschaft aus der Nachkriegszeit wirkt, unterliegt einem durchdachten Konzept. „Ältere Menschen fühlen sich in einer vertraut wirkenden Umgebung wohler“, erklärt Anke Schweikert, die Pflegedienstleiterin der Steinauer Einrichtung. Hier legt man Wert darauf, den Bewohnerinnen und Bewohnern ein würdevolles und gutes Leben zu ermöglichen. Ein Ansatz, den der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) bei der jüngsten Überprüfung mit der Bestnote 1,0 würdigte. Die größte Herausforderung für ein Pflegeheim besteht heute nicht mehr darin, alle Betten zu belegen – die Nachfrage übersteigt häufig das Angebot. Zentral ist vielmehr, zuverlässiges und geeignetes Personal zu gewinnen. Auch hier ist das 2012 eröffnete Haus gut aufgestellt. Eine der Mitarbeiterinnen ist Andera Alahmad. Die kurdische Syrerin flüchtete 2013 mit ihrem Mann und den drei Kindern aus der vom Bürgerkrieg zerrütteten Heimat. Die ganze Familie arbeitet seitdem fleißig daran, sich schnell und gründlich in die deutsche Gesellschaft zu integrieren. Der älteste Sohn absolviert eine Ausbildung als Anlagenmechaniker, die Tochter und der zweite Sohn drücken die Schulbank. Alle drei sprechen inzwischen fließend deutsch. Auch der Familienvater hat nach anfänglicher Arbeitslosigkeit eine Stelle als Sozialarbeiter gefunden.

Andera Alahmad ist gelernte Laborantin. In diesem Beruf waren die Aussichten im Bergwinkel allerdings schlecht, weiß Jürgen Schäfer, Arbeitsvermittler beim Jobcenter des Kommunalen Centers für Arbeit (KCA): „Die Anerkennung des Berufsabschlusses ist kompliziert und in der Region fehlt es auch an geeigneten Stellen.“ Stattdessen schlug er der 44jährigen eine Tätigkeit als Pflegehelferin vor. Der Umgang mit älteren Menschen bereitet ihr große Freude. Bei der nicht immer leichten Arbeit mit Pflegefällen hilft ihr auch ihr kultureller Hintergrund. In der Heimat sei es völlig normal, gebrechliche und alte Angehörige selbst zu versorgen, erklärt die Kurdin. Zu Beginn ihrer Tätigkeit, als die Deutschkenntnisse noch nicht so sattelfest waren, war es nicht immer einfach, einen Zugang zu den Bewohnern zu finden. „Die Menschen merken aber schnell, wie herzlich und freundlich Frau Alahmad mit ihnen umgeht“, lobt Anke Schweikert.

„Stark!“ So bringt die Erste Kreisbeigeordnete Susanne Simmler ihre Freude über den Fall von Familie Alahmad auf den Punkt. „Im Moment ist viel die Rede von Integrationsbereitschaft und wie wichtig Spracherwerb und Berufstätigkeit sind, um in Deutschland anzukommen und akzeptiert zu werden“ resümiert Simmler, die auch Vorsitzende des KCA-Verwaltungsrates ist. Frau Alahmad und ihre Familie machten Mut und hätten Vorbildcharakter, so die Vize-Landrätin. „Integration gelingt dann, wenn beide Seiten sich anstrengen.“

2018-03-19T16:53:53+00:00 19. 01. 2016|